Die Umwelt braucht Regeln
Am letzten Samstag berichteten die Tageszeitungen über die vierte Gottfried-von Haberler-Konferenz, das Vaterland im „Wirtschaft Regional“ unter dem Titel „Dem Mainstream die Leviten lesen“. Es ging um die Themen Energie, Klima und Umwelt. Die LGU wehrt sich gegen die Verhöhnung der Politik, der Wissenschaft und all derer, die sich um die Zukunft sorgen und um Lösungen bemüht sind.
Die Rhetorik ist beunruhigend. Es ist heute tatsächlich Mainstream, wortstark für soziale und ökologische Ziele zu plädieren. Niemand ist für Armut und niemand ist wirklich für die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Doch denjenigen, die den Worten Taten folgen lassen, werden nun die Leviten gelesen. Wir fragen uns, was ist hier falsch? Politiker und Politikerinnen werden als Verräter und Verräterinnen der radikalen Ideologie des „freien Marktes“ an den Pranger gestellt. Dabei sind sie diejenigen, die sich um gute Rahmenbedingungen für das Zusammenleben der gesamten Bevölkerung bemühen.
Soziale und ökologische Leitplanken
Angesichts des Welthungers ist es geradezu zynisch, vom globalisierten Kapitalismus als „die einzig bekannte Grundlage für weltweiten Wohlstand“ (Zitat im Vaterland) zu sprechen. Der weltweite Wohlstand könnte tatsächlich Realität sein, es hat nämlich genug für alle. Was die kapitalistische Marktwirtschaft betrifft – sie ist tatsächlich effizienter als andere Wirtschaftssysteme. Ihre radikale Form ist jedoch auch nicht erfolgreich, das zeigen die jüngsten Ereignisse auf dem globalen Finanzmarkt. Wir brauchen eine Politik, welche gerechte und umweltfreundliche Rahmenbedingungen setzt. Und zwar konstant, demokratisch, global und lokal.
Energiemarkt beginnt zu spielen
Die Berichterstattung zeigt auf, wie beliebig die Redner und Rednerinnen mit dem Staat umspringen. Sie stellen sich gegen jede Form von staatlicher Regulierung, um gleich darauf nach staatlich verbilligter Energie zu rufen. Die Regierungen würden künstlich Knappheiten erzeugen und Preise so nach oben treiben. Das mag für einige Erdölstaaten zutreffen. Unsere Regierungen hingegen bemühen sich seit Jahrzehnten, die Produktion und Verteilung von Energie zu subventionieren und so den Energiepreis tief zu halten. Die Herstellung von Atomstrom zum Beispiel ist nur schon durch die Tatsache, dass die Risiken von der Öffentlichkeit getragen werden, nicht kostenwahr. Die Energiepreise steigen jetzt, weil die Knappheiten bei den fossilen Energien auf dem Markt zum Tragen kommen. Und es ist richtig so.
Klimawandel ist teuer
Die Weltpolitik hat erkannt, dass das Klimachaos und das Ende der fossilen Energie die grössten Herausforderungen unseres Jahrhunderts sind. Damit macht sie nicht etwa den Kniefall vor ein paar „Umweltbewegten“. Es ist mittlerweile erwiesen und wissenschaftlich belegt, dass die Verbrennung von fossilen Brennstoffen zu einer übermässigen Erwärmung der Erdatmosphäre führt. Experten und Expertinnen weltweit warnen vor den Folgen: Dass Naturereignisse häufiger auftreten, erfahren wir täglich aus den Medien. Die Gletscher schmelzen bedrohlich schnell ab, das wird den globalen Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen. Der Meeresspiegel steigt. Bereits heute sind viele Küstenregionen versalzt oder überflutet. Millionen von Menschen sind auf der Flucht, weil diese Veränderungen ihre Lebensgrundlagen zerstört haben. Solche Warnungen und Meldungen allein reichten aber nicht aus, der Klimapolitik zum Durchbruch zu verhelfen. Es waren die ersten Berichte und Hochrechnungen über die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Nichts tun kommt teuer.
Standhaft bleiben
Wir sind überzeugt, dass wir die Wende hin zu den erneuerbaren Energien schaffen können. Dazu müssen alle am gleichen Strang ziehen. Immer mehr Konsumenten und Konsumentinnen, aber auch immer mehr Unternehmen erkennen den Wert von fair und ressourcenschonend hergestellten Produkten. Auch wenn die LGU als Interessensvertreterin oft ungeduldig eine radikalere Wende wünscht: Wir hoffen sehr, dass die Liechtensteiner Regierung, der Landtag und die Gemeinden den eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgen.
Forumbeitrag vom 2. Oktober im Liechtensteiner Vaterland und Volksblatt
Nachlese:
"Gelassen für die Umwelt". Liechtensteiner Volksblatt vom 27. September 2008 (pdf)



