Signale für Null-Plus
Zukunftsfähige Mobilität braucht einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr. Das Land Vorarlberg prüft für Feldkirch ernsthaft Lösungen mit neuen Schienen statt neuen Strassen. Die LGU fordert das Land Liechtenstein auf, dieses ehrgeizige Projekt zu unterstützen.
Die Hälfte aller ausländischen Arbeitskräfte kommt aus Österreich. Ein Grossteil von ihnen verursacht in Feldkirch und im Liechtensteiner Unterland und Oberland Staus und Luftverschmutzung. Vorarlberg lässt nun eine sogenannte „Null-Plus“-Variante prüfen: Kann die dringend notwendige Entlastung der Bärenkreuzung in Feldkirch ausschliesslich mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs und geeigneten verkehrspolitischen Massnahmen erreicht werden?
Umsteigen wird leichter
Diese Fragestellung ist mutig und visionär. Nach jahrzehntelanger Planung an Letzetunnel und Südumfahrung erkennt Vorarlberg die Zeichen der Zeit. Die Rheintalregion als Standort bleibt attraktiv, wenn die Arbeitnehmenden künftig ohne hohe Benzinausgaben an ihren Arbeitsort gelangen. Verschiedene Umfragen und Untersuchungen im nahen Ausland zeigen deutlich auf, dass die hohen Treibstoffpreise viele Menschen dazu bewegen, vermehrt den öffentlichen Verkehr und das Fahrrad zu wählen statt ins Auto zu steigen.
Im Viertelstundentakt nach Liechtenstein
Die Haltung von Liechtenstein beeinflusst massgeblich das Resultat der Vorarlberger Studie. „Null-Plus“ funktioniert vor allem, wenn weder Vorarlberg noch Liechtenstein die Strassen-Schleusen öffnen. „Null-Plus“ hat nur bei hinreichenden ÖV-Kapazitäten eine Chance. Die Arbeitnehmenden müssen zu Spitzenzeiten im Viertelstundentakt per Bahn ins Land gelangen können. Dafür braucht es einen neuen Bahn-Tunnel, der von Tisis direkt nach Feldkirch führt und zugleich das Stadtgebiet mit drei Haltestellen erschliesst.
Mitmachen und gewinnen
Liechtenstein hat nun die einmalige Chance, die Vorarlberger Entscheidung zwischen Strassen-Südumfahrung und Bahn-Südeinfahrt zu beeinflussen. Wir können heute signalisieren, beim öffentlichen Verkehr die Maximalvariante zu unterstützen und diese nicht gleichzeitig mit neuen Strassen zu konkurrenzieren. Wir können die vorgesehene S-Bahn schon heute auf grössere Kapazitäten ausrichten. Und wir sollten vom Territorialprinzip hin zum „Regionalprinzip“ finden. Die LGU bittet die Regierung, dem Land Vorarlberg und der ÖBB Bereitschaft zu signalisieren, Bahninfrastruktur auch auf österreichischem Boden mitzufinanzieren. Wir sind überzeugt, so gewinnen alle.
Forumbeitrag vom 20. August 2008 im Liechtensteiner Vaterland und Liechtensteiner Volksblatt



