Verkehrspolitik ist Klimapolitik
Das Ressort Verkehr hat am vergangenen Montag die Öffentlichkeit informiert. Ein dreistündiger Marathon mit acht Referaten. Voten und Fragen aus dem Publikum waren unerwünscht, viele Würfel sind bereits gefallen. Wir stellen unsere kritischen Fragen hier.
Das neue Liniennetz der LBA ist ein beachtlicher Schritt im Ausbau des
öffentlichen Verkehrs. In einem nächsten Schritt müssen unbedingt auch die
Gemeinde Triesenberg und die Regionalanschlüsse in Sargans berücksichtigt
werden. Ein Lob sprechen wir dem Ressort auch für das Engagement beim
Betrieblichen Mobilitätsmanagement aus. Noch vor zwei Jahren wäre ein solcher
Auftritt undenkbar gewesen. Die Reduktion des Arbeitsverkehrs führt dazu, dass
für diejenigen, die fahren müssen, wieder genug Platz auf dem bestehenden
Strassennetz ist. Zum Beispiel für Industrie und Gewerbe. Wir hoffen jetzt,
dass viele Betriebe Anreize schaffen für mehr Kollektivverkehr auf dem
Arbeitsweg. Das geht nur, wenn Parkplätze etwas kosten, und dafür braucht es
Mut.
Verkehr ist auch ein Umweltthema, und zwar ein zentrales. Das fand an
der Informationsveranstaltung keine Erwähnung – ausser in der üblichen
Eingangsfloskel „Für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft“. Das Inselressort
Verkehr schert sich weder um die Klima- und Energiepolitik noch um die
Raumplanung. Sachlich kann das nicht begründet werden. Darum haben wir auf
unseren offenen Brief an die Regierung, in dem wir eine ressortübergreifende
Zusammenarbeit fordern, auch bis heute keine Antwort bekommen.
Stopp Strassenbauoffensive!
Neue Strassen führen in jedem Fall zu zusätzlichem motorisiertem
Individualverkehr. Und damit zu noch mehr klimarelevantem Kohlendioxid und
Dreckluft. Trotzdem werden kurz- und mittelfristig landesweit
Umfahrungsstrassen gebaut. Was neu ist: Diese Strassenprojekte werden damit
begründet, dass die Landstrasse ausschliesslich für ein neues öffentliches
Verkehrsmittel zur Verfügung stehen soll! Und zwar langfristig. Es ist eine
perfide Kommunikationsstrategie: Unter dem Deckmantel „öffentlichen Verkehr
fördern“ werden nun Strassen geplant. Ohne umfassendes Mobilitätskonzept.
Wo wollen wir hin?
Auch wenn diese Fragen stören, wir stellen sie trotzdem: Wer übernimmt die Verantwortung für die steigende Zahl von Menschen, die unter Atemwegbeschwerden leiden? Was ist der Wert des Luftreinhaltegesetzes, wenn sich kaum jemand um den Vollzug kümmert? Warum werden im Energiekonzept keine wirksamen Massnahmen zur Senkung des Treibstoffverbrauchs vorgeschlagen? Wann führt die Regierung eine schadstoffabhängige Motorfahrzeugsteuer ein? Warum nicht Roadpricing? Wie rechtfertigt das Land die Ausgaben für lückenhafte Gefälligkeitsgutachten für neue Strassen, zum Beispiel für die Nordspange Schaan? Die Verkehrspolitik darf nicht auf der Grundlage unerwünschter Verkehrsprognosen basieren. Wir brauchen Ziele.
Forumbeitrag vom 30. November 2006



